Deutschlandfunk Kultur

Ulrich Noller und Frank Meyer, Deutschlandfunk Kultur
Ein Beitrag vom 06.03.2018

Die relevanten Themen der Nachkriegszeit

Meyer: Und wenn wir auf die neuen Bücher schauen, ich habe es ja schon gesagt: Zwei neue Trümmerkrimis erscheinen gerade dieser Tage. Morgen kommen die raus. Unter anderem „Kaltenbruch“ von Michaela Küpper. Worum geht es denn in diesem neuen Trümmeroman?

Noller: In diesem Roman wird ein Mordfall erzählt, zu dem dann noch ein zweiter hinzukommt, der sich in dörflicher Umgebung in der rheinischen Provinz ereignet hat. An einem Stand, an dem Erdbeeren verkauft werden, irgendwann Ende der 40er-Jahre, an einer Landstraße, wird ein Bauerssohn erschlagen aufgefunden. Eine abgelegene Gegend, die Kripo Düsseldorf muss weit fahren, um dort hinzukommen und muss diesen Mordfall ermitteln. Das wird dann so einerseits ein klassischer Ermittlerkrimi, Polizeikrimi. Und andererseits ist es auch ein Dorfroman, der multiperspektivisch erzählt wird, also aus der Sicht verschiedenster Protagonisten. Und so entsteht, finde ich, ein wirklich detailliertes gesellschaftliches Panoptikum dieses Dorflebens. Das Dorf ist sozusagen die Bühne, in der die Nachkriegszeit aufgeführt wird. Das Ganze ist sehr exakt gearbeitet, zum einen im Detail. Die Autorin versucht nah ranzukommen über diese Erzähler, die sie hat. Andererseits – und da merkt man, dass sie Soziologin ist, die sich auch mit dem Thema beschäftigt hat – hat sie so einen Blick von oben und thematisiert alle möglichen Themen, die so relevant sind in dieser Zeit der Nachkriegszeit.

Die Traumatisierungen der Kriegskinder

Meyer: Und welche sind das, die sie da besonders in den Blick nimmt?

Noller: Was mir besonders aufgefallen ist: Zum einen das Thema, wie Flüchtlinge, aus dem Osten, Vertriebene, wie die behandelt werden von den Einheimischen, nämlich wirklich extrem schäbig. Und das sind ja nicht wie heute Flüchtlinge aus aller Herren Länder, wo man vielleicht noch irgendwie nachvollziehen kann, dass es Berührungsängste gibt, sondern das sind Deutsche, die einfach aus anderen Teilen des Landes kommen, aber wirklich behandelt werden, als wären sie der letzte Dreck. Das deckt sich übrigens auch mit Erzählungen, die mir zu Ohren kamen in den Interviews, die ich geführt habe zu diesen Themen. Das kennt man auch aus anderen zeithistorischen Krimis, diesen Trümmerkrimis. Aber hier wird das sehr deutlich rausgearbeitet, finde ich.

Zum anderen ist ein wichtiges Thema die Wirkung dieser Kriegskindtraumatisierungen, die sich ereignet haben während dieser Zeit. In der Gesellschaft an sich ist es ja schon wirklich ein prominentes Thema gewesen in den letzten Jahren. Zum Beispiel die Publizistin Sabine Bode hat dazu viel gearbeitet und viele Interviews geführt, Gespräche aufbereitet und so weiter und so fort, um die Wirkungen zu dokumentieren. Und bei Michaela Küpper und ihrem Roman „Kaltenbruch“ finde ich, ist das so ein ganz zentrales Motiv, das rauszuarbeiten, zu zeigen, was damals wie passiert ist und wie das die Menschen – speziell die kleinen Menschen – geprägt hat, was sie erlebt haben.

Das ganze Gespräch und den Potcast finden Sie hier:

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